Cloud Computing, der unverstandene Megatrend

Statt seine Daten, aktuell meist Fotos und Videos, lediglich auf der Festplatte des eigenen Rechners lokal abzulegen, will man diese heute bequem mit anderen teilen. Dazu stellt man die Daten in die Cloud, einem Speicherplatz irgendwo im Internet, zu dem auch andere Nutzer Zugang haben oder exklusiv erhalten. Bequem ist das allemal. Cloud-Computing war folglich auch das große Thema der gerade zu Ende gegangenen CeBIT, zahllose Aussteller präsentierten eine unüberschaubare Vielfalt mehr oder weniger sinnvoller Anwendungen, deren Marktgängigkeit sich im Laufe des Jahres erst noch beweisen muss.

Für Businesskunden sind Cloud-Computing und die damit verbundenen Risiken eigentlich ein alter Hut, schließlich brauchen externe Mitarbeiter schon lange Zugang zu den wichtigsten Datensätzen wie der Kundendatenbank oder Produktdokumentationen. Auch im Privaten hat sich Cloud-Computing längst durchgesetzt, wenn auch vielfach unbemerkt. Facebook, aber auch Amazon, Apple, Google, Picasa oder Flickr haben das Auslagern und veröffentlichen von Daten bequem gemacht, ohne für ihre Dienste vom Nutzer unmittelbar Geld zu verlangen. Dass die Nutzer der meisten kostenlosen Angebote letztlich mit ihren persönlichen Daten und der geldwerten Kenntnis ihrer Vorlieben bezahlen, wird tunlichst verschwiegen.

Zugleich scheint den wenigsten Nutzern klar zu sein, dass sich ein grenzwertiger Schnappschuss vom letzten Wochenende so wenig „zurückholen“ lässt wie z.B. ein peinliches Bekenntnis zu Modern Talking per Like-Button von Facebook. Insofern ist Cloud-Computing tatsächlich ein „unverstandener Megatrend“ (F.A.S.), eilfertig vorgetragene Sicherheitsversprechen dienen höchstens der Beruhigung. Fakt ist: Sind die eigenen Daten erst ein mal in die Wolke hochgeladen, sind sie seinem persönlichen Eigentums- und Verfügungsbereich bereits entrissen, unwiderruflich, vermutlich für alle Zeit. Denn wo sie der Provider physikalisch ablegt, wie oft davon Sicherheitskopien angefertigt werden, ob und wie gut sie geschützt sind, ob nicht Geheimdienste wie die NSA wie selbstverständlich darauf zugreifen – darauf hat der Eigentümer fortan keinen Einfluss mehr.

Insofern dienen die vielen neuen Applikationen am Ende nur einem Zweck, nämlich der Erhebung privater Präferenzen. Denn Unternehmen, die es schaffen diese Daten nicht nur zu sammeln, sondern die Datenflut vor allem zu kanalisieren, analysieren und richtig für sich zu interpretieren und zu nutzen, werden entscheidende Wettbewerbsvorteile erfahren. Nun mangelt es hoffentlich noch an lernenden Algorithmen, die aus genau jenem Wissen, das wir für ein paar Gigabyte kostenlosen Speicherplatz dreingeben, auch den Rest errechnen – jene privaten Vorlieben und Wünsche, die wir vor der Kapitalverwertung der Industrie eigentlich tunlichst verbergen wollten.

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